Seite auswählen
Seminarreihe von Mission Eine Welt und dem Gottesdienst-Institut der ELKB Der Verkündigung des Wortes Gottes maß Martin Luther neben den beiden Sakramenten, Abendmahl und Taufe, bekanntlich eine große und geradezu sakramentale Bedeutung bei. Diese Bedeutung ist der Predigt auch mit der Ausbreitung der Reformation in die ganze Eine Welt hinein erhalten geblieben. Ihre Hochschätzung ist geradezu ein Markenzeichen lutherischer Kirchen weltweit. Doch Kulturen und Zeiten lassen die Formen und Inhalte des Predigens nicht unberührt. Orale Kulturen beispielsweise unterscheiden sich von Kulturen, die ihr „Gedächtnis“ schriftlich fixieren. Im Zeitalter moderner Medien machen Einspielungen von Predigten berühmter Evangelisten auch vor dem sonntaglichen Gottesdienst nicht halt. In der Seminarreihe ging es darum, wahrzunehmen, welchen Einfluss die verschiedenen Kulturen, aber auch unterschiedlichen politischen und kulturellen Kontexte in der Entstehung und Art von Predigten in lutherischen Kirchen weltweit spielen. Warum etwa sind Predigten in Costa Rica anders als Predigten in Hongkong oder Asien oder Deutschland? Oder gibt es vielleicht doch Gemeinsamkeiten? Die Studientage beleuchteten die Kontexte Asien, Costa Rica und Kenia. Zusätzlich fand ein weiterer Studientag zu Predigen in Papua-Neuguinea statt. Die Referentinnen und Referenten stellten das jeweilige Land mit dessen gesellschaftlichen, geopolitischen und kirchlichen Herausforderungen dar und gaben eine historische Einordnung (Kirchengeschichte des Landes). Auffallend war die deutliche Konkurrenz zu den Pfingstkirchen in den verschiedenen Kontexten. In Costa Rica prägt die Abgrenzung von pentekostalem Wohlstandsevangelium die Predigt. Statt Hoffnung auf Wohlstand predigt man – in befreiungstheologischer Nachfolge – den gekreuzigten Gott, der bei den Marginalisierten steht. Die Predigt ist deutlich politisch. Der Referent des Studientags Costa Rica, Dr. Martin Hoffmann, ließ die Teilnehmenden die Zeitung und die Bibel parallel lesen – so wie es in Costa Rica zur Realität der lutherischen Kirchen gehört. Auffallend war ferner, dass die Gemeinden, die sich jeden Sonntag versammeln mitunter klein sind und keinesfalls als Landeskirchen eine gewisse auch staatliche Unterstützung erfahren. Das bedeutet auch, dass sich die Konkurrenz zu anderen Anbietern, darunter eben auch Pfingstkirchen, erhöht. Wenn dort charismatische Prediger Eintrittswellen hervorrufen, dann führt das dazu, dass die lutherischen Kirchen mitunter versuchen, den jeweiligen Predigtstil zu imitieren. In jedem Fall spielt der Heilige Geist eine wichtige Rolle. Die chinesische Pfarrerin Wai-Ching Mühlhaus verwies entsprechend darauf, dass Gebet und Anrufung des Heiligen Geistes eine wichtige Rolle in der Predigtvorbereitung spielen. Dr. Gabriele Hoerschelmann, seit 2015 Direktorin von Mission EineWelt und davor lange Jahre Dozentin für Praktische Theologie im Lutherischen Seminar in Hongkong, hielt dagegen, dass sie versucht habe, ihren Studierenden immer wieder deutlich zu machen, dass der Heilige Geist und eine solide Predigtvorbereitung einander nicht widersprechen. Pfarrerin Dr. Margaret Obaga aus Kenia, die derzeit als ökumenische Mitarbeiterin bei Mission EineWelt tätig ist, vermittelte noch einmal ein anderes Bild von der Predigt als Verkündigung des guten Lebens im Gegenüber zu einer Kultur und Politik, die sich immer wieder korrumpieren und ausbeuten lassen musste. Ein wichtiger Faktor der Studienhalbtage war die Begegnung mit VertreterInnen aus Partnerkirchen oder Mitarbeitenden in Partnerkirchen. „Wenn ich schon selbst keine Möglichkeit habe, wegzufahren und mir vor Ort ein eigenes Bild zu machen, so kommt doch auf diese Weise die Welt zu mir“, so formulierte eine Teilnehmerin. Das spiegelt ein wesentliches Ziel des Themenjahrs „Reformation und die EineWelt“ wieder: dass wir miteinander verbunden und verflochten sind, voneinander und miteinander lernen können und uns darin auch immer wieder neue reformatorische Impulse geben.
zum Vergrößern bitte anklicken