Seite auswählen
Feinstrumpfhosen in der Kirche? Betrat in den Sommermonaten 2016 der Besucher die evangelische St. Lukaskirche in München, wurde er von einem eigenartigen Gebilde empfangen. Ein amorphes Netz aus Strumpfhosen durchzog den Kirchenraum der evangelischen Kirche St. Lukas. Das Raumkunstwerk „Interzellulare“ der Münchner Bildhauerin Sibylle Kobus veränderte die Wahrnehmung und irritierte den Blick der Besucher. Weiche transparente Formen aus Nylon standen im Kontrast zur klaren Architektur der Kirche. Von 13. Juli bis 4. September 2016 war die Installation „ Interzellulare“ in der Münchner Kulturkirche St. Lukas zu sehen. Gefördert und unterstützt wurde es vom Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst und der Lutherdekade in Bayern. Die amorphe Form korrespondierte mit der Architektur des Raumes, zum Rund der Rosetten. Wie Finger zeigten die Formen z.B. auf den Kirchenkeller für obdachlose Frauen oder den Kindergarten. Ein Netz aus Stoff verband das Haus aus Steinen mit dem Gemeindeleben. Das schirmförmige Gebilde war offen für eine Vielzahl von Assoziationen wie Gemeinschaft, Weiblichkeit oder Schutz. Inspiriert ist die Arbeit auch von einer historischen Begebenheit: Im zweiten Weltkrieg hatten Frauenverbände ihre Nylonstrumpfhosen gesammelt und der Kriegsindustrie zur Herstellung von Fallschirmen zur Verfügung gestellt. Ein zweifelhafter Dienst, der einerseits Soldatenleben rettete und andererseits das Kriegsgeschehen befeuerte. Die kurz zuvor erfundenen Nylonstrümpfe galten nicht zuletzt als Inbegriff der Weiblichkeit und waren für viele Frauen unverzichtbares Accessoire. Schutz ist auch das Ur-Thema des christlichen Glaubens: In den Väter-Geschichten des Alten Testaments, über die Psalmen bis hinein in das reformatorische Liedgut. Heute finden Flüchtlinge, die aus prekären Lebenssituationen kommen, in den Kirchen Zuflucht. Beate Frankenberger, Pfarrerin  
zum Vergrößern bitte anklicken
zum Vergrößern bitte anklicken