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„Die Evangelisch-Lutherische Kirche begrüßt die neue Spielfigur. Gerade in einer Lutherdekade mit vielen ernsten Themen und vor dem Hintergrund vieler „heldenhafter“ Standbilder des Reformators aus dem 19. Jahrhundert ist es gut, wenn man sich Luther jetzt auch einmal mit einer gewissen Leichtigkeit und spielerisch nähern kann.“ so Pfarrer Christian Düfel, Koordinator für die Lutherdekade in Bayern anlässlich der Vorstellung der neuen Playmobilfigur Martin Luther in Nürnberg. Grußwort zur Einführung des Miniaturformats des Reformators: „An Jubeltagen heben wir ihn gerne auf ein Podest: den Reformator, den Bibelübersetzer, das Sprachgenie, den, der sich gegen Kaiser und Papst behauptete, der eine große Reform ins Rollen brachte, der manche Türe zur Neuzeit mit aufgestoßen hat, aber nicht zuletzt den Theologen, den Wiederentdecker der Bibel mit der Botschaft von Rechtfertigung und Freiheit. Auf viele Sockel ist er im Laufe der Jahrhunderte gehoben worden! Martin Luther war die erste bürgerliche Persönlichkeit Deutschlands, der im 19. Jahrhundert ein Standbild in voller Größe gewidmet wurde. Planungen dazu begannen 1806. Es dauerte aber dann eine Weile bis der Preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Planungen an sich zog. 1817 (am 300. Reformationsjubiläum) konnte der Grundstein gelegt werden. Realisiert wurde dann der Entwurf von Johann Gottfried Schadow, überdacht von einem gusseisernen Baldachin von Karl Friedrich Schinkel. 1821 war die Enthüllung in Wittenberg – dort steht er heute noch, zwischendurch war er aus Renovierungsgründen kurzzeitig ersetzt durch die mittlerweile auch weitbekannten vielen bunten Lutherfiguren von Otmar Hörl. Im ganzen 19. Jahrhundert wurde Martin Luther vielfach auf den Sockel gehoben, viele Lutherdenkmäler entstanden, das größte in Worms 1886. Zum 400. Geburtstag 1883 gab es dann noch mal einen Denkmalsboom. Ja, im 19. Jahrhundert bestand die Gefahr, dass mit Luther das geschah, was er doch abgelehnt hatte: er wurde zu einem Held gemacht und einem (Fast-)Heiligen. Beispielsweise wurden Lutherbuchensplitter gegen Zahnschmerzen gut verkauft. Denkmäler prägen sich ein und prägen das Denken. Unser Lutherbild ist bis heute durchaus auch noch von Sichtweisen des 19. Jahrhudert geprägt. Dr. Martinus Lutherus, der Volksheld, der Mann auf dem Sockel. Nochmal: sicher zu Recht gehört er doch bis heute weltweit zu den bekanntesten Deutschen: Er war ja auch eine großartige Persönlichkeit und seine direkte und indirekte Bedeutung und Folgen für Theologie, Sprache, Musik und Kultur für die anbrechende Neuzeit ist nicht nur für Deutschland hoch anzusetzen. Trotzdem: gerade für uns Theologen des 21. Jahrhunderts bleibt immer ein Beigeschmack, wenn ein Mensch so auf den Sockel gehoben wird, ein Mensch, der ja auch seine Schattenseiten hatte: seine Ausfälle gegen Juden sind ein Beispiel. Da kann man auch mal nicht nur den Hut vor ihm ziehen, sondern muss ihm auch mal den Gelehrtenhut abziehen. Das geht nicht bei einem Denkmal – aber das geht ja bei einer Playmobilfigur. Ich finde Martin Luther als Playmobilfigur großartig. Eine Heiligenfigur wird er damit gewiss nicht. Eine solche Figur lädt zu einem spielerischen Umgang! Play Luther! Vielleicht für uns heute ein angemessener Umgang, spielerisch sich dem Reformator und dem großen Jubiläum zu nähern. Spielraum Reformation wird im Übrigen auch ein Projekt in der Schwerpunktphase zum Themenjahr 2015 ab Ende April in Nürnberg in der dann von Bänken befreiten Lorenzkirche heißen! Also: diese kleine Plastikfigur lädt durchaus ein sich spielerisch Luther zu nähern, nicht mit dem großen Pathos und trotzdem seine Bedeutung anerkennend! Er ist zwar nicht die erste historische Figur bei Playmobil, aber sei es drum – Albrecht Dürer war halt schneller…. Ich begrüße, dass ihm ein spielerisches Denkmal gesetzt wird. Wie viele starre Denkmalsfiguren der Geschichte wurden, so schnell sie aufgerichtet wurden, auch wieder schnell vom Thron gestürzt! Luther hat da immerhin schon eine jetzt bald 500 jährige Tradition und er hat immer wieder in neuen Formen Denkmäler bekommen, der Playmobil Luther wird Geschichte schreiben. Mir gefällt der leichte Zugang und ich denke Martin Luther wird so auf vielen Schreibtischen und in vielen Wohnzimmern (und wo auch immer) Einzug halten und ich denke diese Form von Denkmal hätte ihm vielleicht sogar gefallen: Mit der Feder des Schreibers vieler wichtiger Schriften in der einen Hand und vor allem mit der aufgeschlagen gedruckten Bibel in der anderen Hand. Die Bibel ist eine Parallele zum Anfangs erwähnten Lutherdenkmal in Wittenberg und es ist gut, dass er sie in der Hand hält und es ist zu danken dass Playmobil dies umgesetzt hat! Möge er damit ein fröhlicher guter Reformationsbotschafter werden. Diese Playmobilfigur lädt ein – und das ist natürlich auch die Hoffnung des Theologen – dann in aller Freiheit wieder einmal selber in der Bibel zu blättern und dort ein tragendes Fundament für angstfreies menschliches Leben mit Gott dort zu entdecken! Luthers breites Wirken beruhte ja auf solchen Bibelstudien! Ich wünsche dem Playmobil Luther viele gute Standplätze und Menschen jeglicher Glaubensrichtungen, die sich ihm spielerisch nähern. Die ihn zusammenbauen und ihn dann auch mal wieder auseinander nehmen und wieder neu zusammensetzen und ihm dabei vielleicht auch mal eine neue Mütze aufsetzen! Dabei entdeckt hoffentlich mancher, dass es lohnt sich mit ihm auch heute auseinanderzusetzen!“ Pfarrer Christian Düfel Video zur Präsentation am 06.02.2015